Kennen Sie „Papa où t‘es?“?

Die Staatsanwaltschaft von Paris hat am 5. März 2019 die Verurteilung von Alain Soral zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung wegen „Bestreitens der Existenz des Holocaust“ gefordert. Außerdem wurde die Verurteilung seines Rechtsanwaltes Damien Viguier zu einer Geldstrafe gefordert. Es war ein Berufungsprozess und die Urteilsverkündung ist für den 15. April 2019 vorgesehen.

Was hat das mit dem Titel dieses Artikels zu tun? Ich muß zur Erklärung ein wenig ausholen. Sie kennen vielleicht den Song vom belgischen Sänger „Stromae“, auch wenn Ihnen die Bedeutung nicht so richtig klar ist. Sagt Ihnen diese Musik etwas? https://www.youtube.com/watch?v=oiKj0Z_Xnjc und: https://de.wikipedia.org/wiki/Papaoutai

Die Bedeutung des Titels ist „Papa wo bist du?“
Der Song wurde ab dem Sommer 2013 sehr populär und handelt angeblich von Stromaes innerer Suche nach seinem Vater, der 1994 ein Opfer des Völkermords in Ruanda geworden war. Stromae offenbarte, dass ihn dies bis zu seiner Musikkarriere verfolgt, ihn jedoch auch zum Schreiben vieler seiner Songs inspiriert hat.

Und Sie kennen vielleicht auch „Charlie Hebdo“, die französische Satirezeitschrift, auf deren Redaktion im Januar 2015 ein Anschlag verübt wurde. Danach hieß es allenthalben „Ich bin Charlie“, um Solidarität zu zeigen.
Etwas mehr als ein Jahr später, im März 2016 ereigneten sich Terroranschläge in Brüssel. „Charlie Hebdo“ brachte eine Woche später eine Titelseite die nicht bei allen gut ankam.

Hebdo Bild 1

Man sieht das karikierte Konterfei von Stromae und über seinem Kopf steht „Papa wo bist du?“. Links und rechts von ihm wird die Antwort gegeben, „hier“ mit einem abgeschnittenen Unterarm, „hier“ mit einem abgeschnittenen Unterschenkel, „dort“ mit einem ausgerissenen Auge und „dort auch“ mit einem zweiten abgeschnittenen Unterarm. Das alles mit der belgischen Flagge als Hintergrund und mit der Bemerkung in einem Textfeld: „Das orientierungslose Belgien“. Ist es unterhaltsame Satire, oder einfach nur geschmacklos? Aber jedenfalls, da sind wir uns sicher einig, von der künstlerischen Freiheit gedeckt, oder nicht?

Nun, jemand hatte die Idee dieser Titelseite aufgenommen und etwas anderes daraus gemacht.

Hebdo Bild 2

Man sieht unter der Überschrift „Chutzpah (Chuzpe) Hebdo“ das karikierte Konterfei von Charlie Chaplin und über seinem Kopf steht „Shoah wo bist du?“. Links und rechts von ihm wird die Antwort gegeben, „hier“ mit Haaren bzw. einer Perücke, „hier“ mit einem Schuh, „dort“ mit einem Stück Seife und „dort auch“ mit einem Lampenschirm. Das alles mit der israelischen Flagge als Hintergrund und mit der Bemerkung in einem Textfeld:„Orientierungslose Historiker“. Veröffentlicht wurde die Karikatur „Chutzpah (Chuzpe) Hebdo“ auf der französischen Webseite „Gleichheit und Versöhnung“.

Ist diese „Titelseite“ auch von der künstlerischen Freiheit gedeckt? Nicht für bestimmte Interessengruppen. Sie suchten nach den „Verantwortlichen“ für diese Veröffentlichung. Unter diesen Interessengruppen ist u.a. die LICRA, die „Ligue internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme“ (deutsch: Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus), die ASF („Avocats sans Frontières“, auf deutsch „Anwälte ohne Grenzen“) und die UEJF („l‘Union des Étudiants juifs de France“, auf deutsch „die Vereinigung der jüdischen Studenten Frankreichs“).

Wegen „rassistischer Beleidigung“ und „Bestreitens von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt wurde der Präsident der Webseite „Gleichheit und Versöhnung“ Alain Soral, obwohl er bestritt die Karikatur entworfen zu haben oder die Veröffentlichung auf der Webseite selbst durchgeführt zu haben.
Um den Vorwurf der Beleidigung aufrecht zu erhalten ging die Anklagebank davon aus, daß die jüdische Gemeinschaft durch den Titel „Chutzpah Hebdo“, den vorhandenen Davidstern und den Hinweis auf den Holocaust (die Shoah) angesprochen gewesen war. Es sei dem Angeklagten darum gegangen den von der jüdischen Gemeinschaft erlebten Völkermord und das damit verbundene Leiden ins Lächerliche zu ziehen, mit besonders kränkenden und verächtlichen Darstellungen.
Für den Vorwurf des Bestreitens von Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde der beanstandeten Publikation vorgeworfen, daß sie beim Leser die Idee hervorrufen könnte, daß der Holocaust (die Shoah) keine unbestreitbare Realität sei sondern eine ausgedachte freche Lüge.

Die Verteidigung legte dar, daß es bei der Veröffentlichung von „Chutzpah Hebdo“ nicht um die jüdische Gemeinschaft gegangen wäre, sondern daß „Chutzpah Hebdo“ eine Persiflage von „Charlie Hebdo“ sei, insbesondere die Nummer von Charlie Hebdo, in der man sich über die belgischen Opfer der Attentate vom März 2016, den Sänger Stromae und den Völkermord in Ruanda gleichzeitig lustig gemacht hätte.
Haare und Schuhe bezögen sich auf Erinnerungsstätten, welche wie Pilgerorte angelegt sind. Man arrangiere dort Haufen der genannten Objekte um die Vorstellungen und die Phantasie der Besucher anzuregen. Im Holocaustmuseum von Washington laute eine Beschriftung an einem Schuhhaufen: „Wir sind die letzten Zeugen.“ Allerdings seien die Schuhe kein Beweis für einen Völkermord, denn in Notzeiten wird alles wiederverwendet. Das Abschneiden von Haaren werde in allen Konzentrationseinrichtungen praktiziert und erkläre sich ganz einfach mit Hygieneerfordernissen.
Seife und Lampenschirm bezögen sich dagegen auf Kriegspropaganda. Bei den Nürnberger Prozessen seien die Feinde Deutschlands soweit gegangen den Deutschen die Herstellung von Seife aus Judenfett und von Lampenschirmen aus Judenhaut vorzuwerfen.

Insgesamt müsse man die gleiche humoristische Ausdrucksfreiheit wie sie für „Charlie Hebdo“ gegeben ist auch für „Chutzpah Hebdo“ fordern.

Künstlerische Freiheit hier und Bestrafung von „Meinungsverbrechen“ dort. Den Urteilsspruch am 15.4. kann man sich schon ausmalen.

Autor bleibt ungenannt





 

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

4 Gedanken zu „Kennen Sie „Papa où t‘es?“?“

  1. Endlich!
    Putin deutet in seiner Rede zum Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz an, dass die Gaskammern nicht existierten (das Kartenschloss bröckelt).
    Mit freundlichen Grüßen
    Richard Kohler, Schweizerbürger

    https://youtu.be/0wieEV0YB_Y

    Poncard d’Assac, Französischer Lautschprecher, leider für Sie, auf Französisch.

    1. Halt, da war doch was, auch ohne Herrn Putin:

      Wenn die Sowjets am 27. Januar 1945 bereits nach Auschwitz kamen, warum haben sie dann nicht damals schon die jetzt behaupteten Verbrechen aufgedeckt? Schließlich war das doch der ‘tat’nächste Zeitpunkt, außerdem war ja der nicht transportfähige Teil der Häftlinge noch im Lager verblieben.
      Keiner wusste etwas von den heute behaupteten “Verbrechen” und man hätte doch gegen die Führungspersonen des Deutschen Reiches höchst wirkungsvoll Anklage erheben können, schließlich lebte der Führer des Großdeutschen Reiches Adolf Hitler noch Monate danach. Wollte man ihn etwa schonen – oder fürchtete man die Entlarvung solcher Lügen?

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