Ursula Haverbeck und die Seerosen

In der JVA-Bielefeld ereignen sich auch mal komische Dinge. Und manchmal führen solche Ereignisse dazu, daß die Häftlinge und Wächter sich ihres menschlichen Seins tiefer bewußt werden.

Am „Schwarzen Brett“ der JVA konnte man viele Tage den folgenden Aushang lesen. Aber er war nicht nur zum lesen dort ausgehängt. Wer ihn gerne aufheben wollte – vielleicht um sich später daran zu erinnern, oder ihn an Freunde zu schicken – konnte ihn sich von der JVA-Leitung kopieren lassen. Eine nette Geste!

Kopf Aushang

Der 23. Juni 2019 brachte mir im Gefängnis ein Erlebnis besonderer Art. – Ein Mitsommererlebnis, welches ein großes Dankbarkeitsgefühl hinterläßt.
Der hübsche Seerosenteich übt beim Freigang eine besondere Anziehung auf mich aus. Da sehe ich die spitzen Knospen zwischen den runden Blättern hervorlugen und nur zwei, drei Tage strahlen sie wie leuchtend gelbe Sonnen in den tiefblauen Mitsommerhimmel. Und wieder‚ nach zwei, drei Tagen sinken sie welk zurück unter die breiten Blätter.

Stirb und Werde, das Schicksal allen Irdischens, das hat der Landschaftsgestalter den Häftlingen – vielleicht unbewußt – beim Freigang zur Anschauung gebracht. Dafür bin ich dankbar.

Doch noch auf etwas anderes weist er hin, hinter allem von Menschen Gestaltetem liegt ein Einfall, ein Gedanke und in diesem Fall ein sehr glücklicher, dem das Handeln des Menschen folgte, zu unserer Freude.

Diesmal war ich dem Teich etwas zu nahe getreten. Meine Krücke fand im schlüpfrigen Grund keinen Halt und rutschte, mich mitziehend, ins Wasser. Kaum hatte ich begriffen wie mir geschah, da griffen, zogen, stützten mich von allen Seiten Helfer, fischten meinen Schuh aus dem Wasser, richteten mich auf dem Gehweg wieder auf und ich war doch nur naß. Ein urkomisches Bild, die besorgten Blicke der herbeieilenden Betreuer, Beamte, Sanitäterin, Retterinnen und ich – nur naß – lachte hell auf und wurde unter Gelächter in meine Zelle eskortiert.

Mir blieb nur die Entschuldigung, es tut mir leid, ich habe mich sehr dumm, unüberlegt benommen.
Wenn etwas schief geht, suche ich die Schuld, den Fehler‚ immer bei mir selber. Geht etwas gut aus, dann danke ich dem da oben, dem Schutzengel.
Jetzt aber gebührt allen so freundlichen Helfern mein Dank. Ihr habt zur Anschauung gebracht „der Mensch ist gut im Kern“ und wie Spinoza sagt: Der Mensch ist des Menschen Freude – könnte es sein!

In schlimmen Zeiten muß man auch mal herzlich lachen. So kennen wir unsere Ursula!

 

 

 

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

6 Gedanken zu „Ursula Haverbeck und die Seerosen“

  1. Hoffentlich bleibt uns Frau Haverbeck noch lange erhalten. Bitte möglichst die Königin Mutter mit ihren 101 Jahren „rechts überholen!“ 🙂

  2. im Netz aufgegriffen – besonders der Satz „wörtlich sagte er“ ist wohl mehr als treffend, auch in Hinsicht auf Frau Haverbeck:
    Ökonom und Finanzexperte Prof. Dr. Max Otte sagte in unserem Interview: “ Wir bekommen immer mehr ein repressives System mit direkter staatlicher Steuerung der Wirtschaft und der Geldmenge.
    Wörtlich sagte er: “Der Druck im Kessel nimmt zu!“ Besonders dramatisch sieht er die Situation derjenigen, die nicht systemkonform denken. Diese werden zunehmend bespitzelt, ausgegrenzt, ökonomisch kaputt gemacht und sogar körperlich angegriffen.

    Max Otte weiß von was er spricht! Er war jahrelang gern gesehener Gast in Talkshows( z.B. bei Markus Lanz), sowie als Wirtschaftsexperte mehrfach bei NTV zu sehen.
    Nachdem er im Wahlkampf 2017 bekannt gegeben hatte, dass er aus Gewissensgründen die AfD wählt, wurde er zur Persona non grata.

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